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Pädagogisches Konzept

Stets gab es hohe Ideale und erhabene Gefühle, und stets wurden diese durch den Unterricht weitervermittelt, aber die Kriege hörten nicht auf. (Maria Montessori)

Es gibt viele Interpretationen der Montessori-Pädagogik und unterschiedliche Verbände und Strömungen. In Amerika wird sie verstärkt als optimale Früh- und Hochbegabtenförderung gesehen, manche lesen aus ihr eine sehr weit gehende Freiheit des Kindes heraus, andere assoziieren Montessori immer noch mit behinderten Menschen. Während manche Kenner überzeugt sind, Montessori bedeute auch Öffnung für neue Einflüsse, lehnen andere eine Anpassung an moderne gesellschaftliche Trends ab. In dieser verwirrenden Vielfalt von Interpretationen, bleibt es niemandem erspart sich damit auseinander zu setzen, was "Montessori" in der jeweiligen Einrichtung bedeutet und welche Schwerpunkte gelebt werden.

In der Neuen Schule fühlen wir uns dem allgemeinen Ziel der Montessori-Pädagogik verpflichtet: Selbstbewusste Menschen auszubilden, die Verantwortung für sich, für ihr Handeln und für ihre Umwelt übernehmen. Kinder lernen durch das Erleben von Konsequenzen die Folgen ihres Tuns einzuschätzen, sie lernen ihren Platz in der Gruppe einzunehmen, ihren Willen zu kontrollieren, sozial zu interagieren. Sie lernen Toleranz und Akzeptanz, Respekt und Menschlichkeit. Sie erfahren, dass Wissen und Bildung einen hohen Stellenwert haben, Leistungsbereitschaft erwünscht ist, und dass es wichtig ist sich mit kognitiven Inhalten zu beschäftigen, aber nicht in Konkurrenz zu anderen, sondern zur gegenseitigen Unterstützung und zum Wohl der Mitmenschen und der Umgebung.

Was das Material angeht, gibt es in der Neuen Schule keinen dogmatischen Ansatz, wir verwenden Lehrmaterial, das wir als gut und sinnvoll erachten. So sind in der Schule so gut wie alle Montessori-Materialien vorhanden, und sie bilden - gerade bei jüngeren Kindern - den Schwerpunkt der Arbeit. Aber es gibt ebenso Montessori-Sekundärmaterialien, anderes konkretes Material, Karteien, viele Bücher und neu entwickelte Unterrichtsmaterialien. Je älter die Schüler werden, desto mehr wird auf "abstrakte Inhalte" - auch aus öffentlichen Lehrbüchern - umgestiegen, um die Jugendlichen auf den bevorstehenden Schulwechsel vorzubereiten.

Die Schule ist für die gesamte Pflichtschulzeit konzipiert (8-9 Jahre). Danach finden sich die Jugendlichen im Regelschulwesen oder in der Berufswelt erfahrungsgemäß hervorragend zurecht. Ihre Persönlichkeit ist dann bereits so gefestigt, dass ihnen auch die Methoden der öffentlichen Schule nichts mehr "anhaben" können. Selbstvertrauen sowie soziale und menschliche Werte sind bis dahin meist so verinnerlicht, dass sie mit den meisten Situationen vorbildlich umgehen können. In den letzten 1 bis 2 Jahren wird in Absprache mit Jugendlichen und Eltern speziell auf den Umstieg in ein anderes System vorbereitet. Ein Wechsel dazwischen ist pädagogisch nicht sinnvoll und wird in der Regel auch nicht unterstützt.

Unsere Schule unterliegt nicht dem öffentlichen Lehrplan, sondern hat einen eigenen Lehrplan auf Basis des Glocksee-Lehrplans, der dem öffentlichen Lehrplan gleichgestellt ist. Er ermöglicht Kindern mehr Freiraum für das Vertiefen eigener Interessen und das Berücksichtigen individueller Entwicklungsschritte.

Bildung bedeutet nicht, einen Kessel zu füllen, sondern ein Feuer zu entfachen. (C. G. Jung)

In der Neuen Schule finden täglich Kurse statt, die die Erwachsenen anbieten, und die die Kinder - je nach Interesse, Alter und Wissensstand - besuchen können. So werden etwa, Englisch, Deutsch oder Geschichte, für die Älteren auch Matehmatik, "unterrichtet". Dieser Unterricht findet immer in Kleingruppen (2 bis 6 Schüler) statt. Ansonsten gibt es Freiarbeit, wo sich die Kinder mit selbst gewählten Inhalten beschäftigen und von den Betreuern individuell begleitet werden. Die Lerninhalte richten sich nach dem Entwicklungsstand des Kindes (vergleiche dazu: Jean Piaget - Entwicklung der Intelligenz, Maria Montessori - sensible Phasen, sechs-Jahres-Sprünge und Rudolf Steiner - sieben-Jahres-Sprünge). Das führt zu einem sehr individuellen Lernprofil. Die Kinder bekommen genügend Zeit sich in die Gebiete zu vertiefen, die ihren aktuellen Interessensschwerpunkt bilden. Durch das Lernen aus eigenem Interesse und Antrieb werden Lerninhalte viel schneller aufgenommen und begriffen, als wenn diese den Kindern von außen auferlegt werden.

Kinder haben andere Denkstrukturen als Erwachsene. Werden Kinder gezwungen, in den Strukturen von Erwachsenen zu denken, so führt dies möglicherweise - auch das ist höchst umstritten - zu einem vorzeitigen Einsetzen des abstrakt-logischen Denkens, geht jedoch auf Kosten des Überblicks, des Verständnisses, der soliden Basis aus Sinneserfahrungen, der Fähigkeit zur Verknüpfung, des Forscherdrangs, der intuitiven Fähigkeiten, der Phantasie, der Kreativität und der Lebensfreude. Die angeborene Freude am Lernen soll bewahrt werden.

Die Schule muss die freie Entfaltung der kindlichen Aktivität ermöglichen. (Maria Montessori)

Wir haben Respekt vor dem inneren Entwicklungsrhythmus der Kinder, jedes Kind folgt seinem inneren Plan. Kinder sind von sich aus wissensdurstig, neugierig und wollen vollwertige Mitglieder der Erwachsenen-Gesellschaft werden. Kein Kind will "dumm bleiben", kein Kind will "nichts lernen". Hat ein Kind so sehr resigniert, dass es sich nicht weiter entwickeln will, so gibt es dafür Gründe, und diese Gründe sind sicher nicht kindliche "Faulheit", "Unwillen", "Sturheit" oder Boshaftigkeit.

Kinder lernen dann am besten, wenn sie nicht gezwungen werden einen Großteil ihrer Energie dafür aufzubringen, ihre angeborenen Bedürfnisse wie Kommunikation oder Bewegung und ihre natürlichen Emotionen zu unterdrücken. Sie lernen dann am besten, wenn sie dies ohne Angst tun dürfen. Notendruck und Prüfungsstress sind kein geeigneter Nährboden für gute Entwicklung.

Für die Kinder wird eine vorbereitete Umgebung geschaffen, die es ihnen ermöglicht, zu einem selbständigen Arbeiten zu finden, wobei die Anzahl der Wahlmöglichkeiten von Kind zu Kind sehr unterschiedlich sein kann. Ziel ist es, die Kinder durch weitgehende Selbstbestimmung zu Selbstverantwortung, Eigenständigkeit und Übernahme der Verantwortung für eigenes Handeln zu führen.

Entwicklungsschritte können in einem großen Rahmen variieren, aber wir verstehen das Motto Maria Montessoris "Hilf mir, es selbst zu tun" auch so, dass bei einer starken Abweichung zur Normentwicklung, therapeutische Unterstützung sinnvoll sein kann (z. B. bei Teilleistungsschwächen, ADHS, Legasthenie, usw.), da sonst das Selbstbewusstsein des Kindes (durch den persönlichen Vergleich mit anderen) leidet, seine soziale Integration gefährdet ist und seine Entwicklung verzögert wird.

Grenzen gehören zum Leben. Ohne geeignete Grenzen können wir nicht in Frieden zusammenleben. Ohne Grenzen lassen sich Liebe und Respekt nicht in die Praxis umsetzen. (Rebeca Wild)

Da in die pädagogische Arbeit mit den Kindern neben dem Material und der Didaktik Maria Montessoris verschiedene reformpädagogische Strömungen einfließen und auch konventionelle Methoden (wie etwa Lernspiele, ausgesuchte Arbeitsblätter, Bücher, Computerprogramme, ...) verwendet werden, ist die Wahl der Methode von Kind und Alter abhängig und beruht auf der individuellen Begleitung der Kinder.

Körperliche, soziale, emotionale und kognitive Entwicklung sind gleichermaßen wichtig, und allen Bereichen muss der nötige Raum gegeben werden. Umso jünger das Kind ist, umso mehr steht die körperliche Entwicklung im Vordergrund (z. B. ist ohne genügend motorische Erfahrung und Sicherheit eine Arbeit an der Feinmotorik schwierig) und umso wichtiger ist konkretes Tun um durch eigene Erfahrung Gesetzmäßigkeiten herauszufinden. Bei emotionaler Belastung lässt es sich schlecht lernen, daher ist die emotionale Ausgeglichenheit ebenfalls von fundamentaler Bedeutung. Die Wichtigkeit dieses Prinzips wird von allen neuen lerntheoretischen Ansätzen, insbesondere den Ergebnissen der Lernbiologie und der Gehirnforschung, bestätigt.

In den ersten Jahren arbeiten die Kinder in der Neuen Schule kaum abstrakt, sondern sehr materialorientiert. Erst mit zunehmendem Alter stellen sie sich mehr auf die Arbeit am Papier um, wobei sie in den letzten zwei Jahren auch die öffentlichen Lehrbücher verwenden und auf dieser Grundlage unterrichtet werden, sodass sie gut auf einen Wechsel ins öffentliche System vorbereitet sind.

Die Neue Schule sieht sich als Angebot für Familien, die eine echte Alternative zum öffentlichen Schulsystem suchen; die frühe Bewertung, Notendruck, Leistungsstress, Üben an den Defiziten, Fehlervermeidung, hyrarchisches Denken, Erziehung zu Konkurrenz und Wettkampf für ihre Kinder ablehnen. Und die bereit sind, auch innerhalb der Familie die in der Schule gelebten Werte umzusetzen. Deshalb ist es auch nicht möglich, ein Kind in die Neue Schule zu geben und ein anderes im öffentlichen Schulsystem unterzubringen. Die grundlegenden Zugänge zu kindlicher Entwicklung und zu Lernen sind zu verschieden und nicht innerhalb einer Familie authentisch lebbar.

Buchempfehlungen zu unserer Pädagogik finden Sie in der Literatur-Liste.

wind